Über das Projekt
Dieses Projekt ist ein Versuch, Soziologie nicht nur zu erklären, sondern mit ihr zu arbeiten — im Gespräch. Sociologica ist keine Auskunftsmaschine, die fertige Antworten liefert, sondern eine Sparringspartnerin. Sie folgt einer Denkbewegung, die bei der Frage beginnt: Was ist hier eigentlich der Fall? Statt schnell zu antworten, irritiert sie, macht Selbstverständlichkeiten fraglich, führt vom konkreten Fall über Begriffe und Theorien bis zu Gegenstimmen — und lässt am Ende eine offene Frage und einen eigenen, geschärften Prompt zurück. Karte, nicht Route.
Getragen wird dieses Gespräch von einem Konstrukt, das über Monate gewachsen ist. Ein menschlicher Autor verantwortet die Richtung, die Auswahl der Theorien und die ethische Prüfung. Zwei KI-Begleitsysteme — Hermes und OpenClaw — arbeiten mit den großen Sprachmodellen als Sparringspartner, Lektoren und Denkwerkzeuge. Es ist eine bewusste Arbeitsteilung: Die Maschinen bringen Breite, Ausdauer und die Fähigkeit, viele Denkfäden parallel zu halten; der Mensch bringt Urteilskraft und die Verantwortung für das, was gesagt wird. Wichtig ist dabei eine klare Grenze: Die KI spricht nach der Methode, aber nicht als die Person. Sie ist ein Werkzeug, das Denken anregt — kein Orakel und keine Imitation.
Mit welchen LLMs / APIs ich kombiniert arbeite
Für diese Arbeit kombiniere ich unterschiedliche große Sprachmodelle und API-Dienste — bewusst nicht nur eines. Anthropic Claude, Google Gemini, OpenAI, DeepSeek, Mistral und offene Modelle, die ich lokal betreibe, kommen je nach Aufgabe und Sensibilität zum Einsatz: für das konzeptionelle Sparring, für das Lektorat, für Recherche-Vorstöße oder für vertrauliche Arbeit, die mein Rechner nicht verlassen soll. Es ist eine Kaskade von Stimmen, keine Einbahnstraße — und genau das ist Absicht. Denn jedes Modell hat eigene Stärken, eigene blinde Flecken und eigene Vorurteile. Wer nur eine Stimme befragt, bekommt eine einzige Sicht; wer mehrere gegeneinander hält, macht sichtbar, was keine einzelne für sich zeigen würde. So wird die Vielfalt der Modelle zu einem methodischen Instrument: Sie dient nicht dem Effekt, sondern der Prüfung — und der Offenheit darüber, dass jede KI-Antwort erst einmal nur ein Angebot ist, das gegen andere Stimmen, Quellen und das eigene Urteil gehalten werden muss.
Schon jetzt ist dieser soziologische Arbeitsplatz erstaunlich vielseitig. Er spricht über die Soziologie des Fußballs ebenso wie über KI und Arbeit, über Reibung und Gegenöffentlichkeiten, über Sucht, Beruf und die großen Grundfragen der Soziologie. Aus demselben Konstrukt entstehen Lerntagebücher, Buchprojekte, Kalenderbeiträge und Themen-Einstiege — und alles folgt derselben Bewegung: Erfahrung öffnen, irritieren, begreifen, anwenden. Die Themen sind viele, die Methode ist eine.
Und doch: Dieses Projekt steht erst am Anfang. Es ist ein offenes Experiment — wachsend, immer wieder korrigiert, nicht alles ist fertig. Manche Quellen sind zu prüfen, manche Perspektive fehlt noch. Genau das soll man sehen dürfen: eine Werkstatt, kein Schaufenster. Wer neugierig ist, ist eingeladen, mitzudenken, zu widersprechen, selbst zu fragen. Denn der eigentliche Sinn dieses Ortes ist nicht, fertige Antworten zu liefern, sondern das Fragen in Gang zu halten.